Landshut – Auf großes Interesse stieß der Vortrag der Senioren-Union CSU Kreisverband Landshut-Stadt beim „09er Wirt“.

Zahlreiche Mitglieder und Gäste waren der Einladung gefolgt, um sich über ein Thema zu informieren, das viele Menschen bewegt und zugleich oft unterschätzt wird: Das richtige Verfassen eines Testaments.
Der Vorsitzende der Senioren-Union Landshut-Stadt, Manfred Wimmer, begrüßte die Anwesenden herzlich und freute sich besonders über den Besuch der Vorsitzenden der Senioren-Union Landshut-Land, Renate Zitzelsberger. In seiner Einführung betonte Wimmer, dass ein Testament vor allem eines bewirken solle: Klarheit und Frieden in der Familie. Unklare Formulierungen oder rechtliche Fehler führten in der Praxis jedoch häufig zu Missverständnissen und nicht selten zu langwierigen Erbstreitigkeiten.
Mit großer Aufmerksamkeit verfolgten die über 100 Zuhörer anschließend den Vortrag von Dr. Kerstin Kastl, Fachanwältin für Erbrecht. Die Expertin, die bereits im März 2025 mit einem Vortrag zum Thema „Haftung des Vorsorgebevollmächtigten“ überzeugt hatte, widmete sich diesmal den „Zehn häufigsten Fehlern im Testament“ und erläuterte diese anschaulich anhand realer Beispiele aus ihrer langjährigen Praxis.
So wies Dr. Kastl eindringlich darauf hin, dass viele Menschen bei der Nachlassplanung ausschließlich an steuerliche Aspekte denken und dabei übersehen, dass das Vermögen zuerst der eigenen Altersvorsorge und der Absicherung des Ehepartners dient. Ein weiterer häufiger Fehler sei die Verteilung einzelner Gegenstände ohne klar benannten Erben. Einzelgegenstände müssten hingegen über Vermächtnisse geregelt werden.
Besonders wichtig sei zudem die Form des Testaments: Dieses müsse entweder notariell beurkundet sein oder vollständig handschriftlich verfasst und das Original vorliegen.
Auch die Bindungswirkung gemeinsamer Testamente werde oft übersehen und ist Fluch und Segen zugleich, wenn spätere Änderungen nicht bedacht oder ausdrücklich geregelt würden.
Kritisch betrachtete Dr. Kastl außerdem die gesetzliche Erbfolge, die automatisch zu Erbengemeinschaften führe. Diese seien vor allem bei zerstrittenen Familien, minderjährigen Erben oder Betreuungsfällen problematisch. Häufige Missverständnisse gebe es auch bei der Vor- und Nacherbschaft, die viele Testierende fälschlicherweise als einfache Schlusserbenregelung verstünden.
Weitere typische Stolpersteine seien Miteigentum, das oft Streit und Verzögerungen verursache, sowie übermäßige Belastungen der Erben durch Vermächtnisse oder Sonderregelungen. Diese könnten sogar zur Ausschlagung der Erbschaft führen – mit dem paradoxen Effekt, dass dennoch Pflichtteilsansprüche entstünden. Ein besonders kostspieliger Fehler sei das Übersehen landwirtschaftlichen Betriebsvermögens: Die falsche Aufteilung von Feldern oder Hofstellen könne steuerlich eine Betriebsaufgabe auslösen und bis zu 40 bis 50 Prozent des Vermögens kosten.
Abschließend riet die Fachanwältin davon ab, Testamente vorschnell mit der Familie zu diskutieren. Solche Gespräche führten nicht selten zu Drucksituationen, Streit oder schlaflosen Nächten – während eine fachkundige Beratung oftmals der bessere Weg sei.
Die Teilnehmer zeigten sich beeindruckt von der klaren und verständlichen Darstellung der komplexen Materie und nutzten im Anschluss rege die Gelegenheit zu Fragen. Vorsitzender Manfred Wimmer bedankte sich herzlich bei Dr. Kastl für ihre wertvollen Hinweise und den engagierten Vortrag.
Die Veranstaltung machte einmal mehr deutlich: Wer rechtzeitig vorsorgt und typische Fehler vermeidet, kann nicht nur Vermögen sichern, sondern vor allem familiären Frieden bewahren.
Fotos: Senioren Union